Globale Erwärmung aufhalten

IASA: Nachhaltige Luftfahrt - Sustainable Aviation

DLR-Szenarien für Energie und Mobilität zeigen, wie sich globale Klimaschutzziele erreichen lassen

Montag, 21. Januar 2019

  • Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat gemeinsam mit australischen Partnern untersucht, welche Entwicklungen notwendig sind, um die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius oder weniger zu begrenzen.
  • Zwei Szenarien beschreiben, welche Entwicklungspfade bei Technologie, Infrastruktur und Energieverbrauch bis zum Jahr 2050 geeignet sind, um das globale Ziel der Pariser Klimavereinbarung von 2015 zu erreichen.
  • Beide Szenarien gehen davon aus, dass sich Energieverbrauch und Energieversorgung grundlegend ändern, erneuerbare Energien massiv ausgebaut werden, es deutliche Effizienzsteigerungen gibt und im Wärme- und Mobilitätsbereich verstärkt Strom sowie synthetische Kraftstoffe zum Einsatz kommen.
  • Schwerpunkt(e): Energie, Verkehr, Klimawandel, Energiesystemanalyse

Im Auftrag der Leonardo DiCaprio Foundation hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit der Technischen Universität Sydney und der Universität Melbourne untersucht, welche Entwicklungen notwendig sind, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Dieses Ziel entspricht dem internationalen Übereinkommen bei der Pariser Weltklimakonferenz 2015. Kern der Studie sind zwei Szenarien, die beschreiben, welche Entwicklungspfade bei Technologie, Infrastruktur und Energieverbrauch bis zum Jahr 2050 geeignet sind, um die globale Erwärmung auf 2,0 beziehungsweise 1,5 Grad zu beschränken.

“Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sich Energieverbrauch und Energieversorgung grundlegend ändern. Wir gehen in beiden Szenarien davon aus, dass erneuerbare Energien massiv ausgebaut werden, es deutliche Effizienzsteigerungen gibt und im Wärme- und Mobilitätsbereich verstärkt Strom sowie synthetische Kraftstoffe zum Einsatz kommen”, fasst DLR-Forscher Dr. Thomas Pregger zusammen. Die Abteilung Energiesystemanalyse des DLR-Instituts für Technische Thermodynamik modellierte für die Studie die kompletten Energiesysteme für zehn Weltregionen.

Die Studie geht von heute verfügbaren Technologien aus. Entsprechend der Zielsetzung wurden Optionen mit großen Unsicherheiten in Bezug auf gesellschaftliche, wirtschaftliche oder umweltbezogene Konsequenzen, wie Kernkraft, Geo-Engineering oder das Abscheiden und Speichern von Kohlenstoffdioxid (CCS, carbon capture und storage) nicht berücksichtigt.

Energiesektor: Verbrauchssenkung, Effizienzmaßnahmen, erneuerbare Ressourcen

Was den Energiesektor betrifft, setzen beide Szenarien voraus, dass der Verbrauch in den Industrieländern – entgegen dem globalen Trend – bis 2050 um über 40 Prozent gesenkt und in den sich entwickelnden Ländern langfristig begrenzt werden kann. Neben zahlreichen technischen und strukturellen Verbesserungen erfordern beide Szenarien auch Änderungen im Verbraucherverhalten sowie bei den Investitionsstrategien. Die schnelle Umsetzung von Effizienzmaßnahmen ist vor allem aufgrund der heutigen Nutzung fossiler Energieträger ein wesentlicher Faktor: Nur so lassen sich die in der Studie angenommenen maximalen CO2-Emissionsbudgets (bezogen auf den Zeitraum 2015 bis 2050) von 590 Gigatonnen (2,0 Grad) beziehungsweise 450 Gigatonnen (1,5 Grad) einhalten.

Wind- und Solarenergie tragen in beiden Szenarien erheblich zur Energieversorgung bei. Gleiches gilt für die Nutzung von Biomasse für die Kraft-Wärme-Kopplung und Biokraftstoffe sowie für Fernwärme unter Einbeziehung von solaren, geothermischen und Umweltwärmepotenzialen. Welche erneuerbaren Energien zum Einsatz kommen, hängt von den regionalen Bedingungen und Potenzialen ab.

Investitionen für die Stromerzeugung belaufen sich im Zeitraum von 2015 bis 2050 auf insgesamt rund 50.000 Milliarden US-Dollar, circa 30.000 Milliarden US-Dollar mehr im Vergleich zu einem konventionellen Referenzszenario. Diese Summe beinhaltet höhere Kraftwerksleistungen zur Deckung des zusätzlichen Strombedarfs infolge der Elektrifizierung der Sektoren Wärme und Verkehr sowie zur Erzeugung von synthetischen Energieträgern aus Strom. Da weniger fossile Brennstoffe notwendig sind, können rund 90 Prozent der zusätzlichen Investitionen durch geringere Ausgaben für Brennstoffe ausgeglichen werden. Diese Zahlen berücksichtigen nicht den Infrastrukturbedarf für Netzausbau, Speicher und andere Flexibilisierungsmaßnahmen.

Mobilitätssektor: Elektrifizierung, Verkehrsverlagerung, alternative Kraftstoffe

“Eine schnelle Elektrifizierung ist vor allem im bodengebundenen Personen- und Güterverkehr auf der Straße notwendig, um die 1,5- und 2,0-Grad-Szenarien zu realisieren. Damit verbunden ist ein massiver Ausbau der Batterieproduktion und darüber hinaus die Schaffung von Produktions- und Distributionsanlagen für strombasierte flüssige und gasförmige Kraftstoffe. Weitere wichtige untersuchte Maßnahmen sind die Verlagerung von Straßen- und Flugverkehr auf die Schiene soweit wie möglich und eine Begrenzung des Wachstums im Passagier- und Güterverkehr in den Industrieländern”, beschreibt Johannes Pagenkopf, DLR-Wissenschaftler in der Abteilung Fahrzeugsysteme und Technologieentwicklung des DLR-Instituts für Fahrzeugkonzepte. Dort wurde für die Studie eine detaillierte Modellierung der zukünftigen Mobilität und des daraus resultierenden Energiebedarfs entwickelt.

Beide Szenarien gehen davon aus, dass im Jahr 2050 rund 60 Prozent aller Busse und schweren Lastkraftwagen batterieelektrisch und circa 20 Prozent mit Brennstoffzellen angetrieben werden. Die Motoren der restlichen Busse und Lastkraftwagen werden mit synthetischen oder biogenen Kraftstoffen betrieben. Für die weltweite PKW-Flotte nimmt die Studie an, dass im Jahr 2050 etwa neun von zehn Fahrzeugen mit Strom oder Wasserstoff unterwegs sind. Im Vergleich zum 2,0-Grad-Szenario ist im 1,5-Grad-Szenario eine noch frühere und schnellere Elektrifizierung besonders in den Industrieländern erforderlich. Langfristig werden in beiden Szenarien synthetische Kraftstoffe eine wichtige Rolle für die Klimaneutralität haben, vor allem im Luft- und Schiffsverkehr.

Optionen und Wege aufzeigen für Entscheider in Politik und Gesellschaft

Szenarien sind keine Vorhersagen, sondern Werkzeuge, die eine denkbare Zukunft beschreiben. Mit ihnen erhalten Entscheider in Politik und Gesellschaft einen umfassenden Überblick zu möglichen Entwicklungspfaden, Alternativen und deren Konsequenzen. Denn die Gestaltung der politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auf nationaler wie globaler Ebene ist eine der entscheidenden Herausforderungen, um erfolgreichen Klimaschutz zu verwirklichen.

“Bei der Entwicklung dieser beiden Szenarien hat sich deutlich abgezeichnet, dass uns jetzt kaum mehr ein zeitlicher Puffer bleibt”, stellt Dr. Sven Teske von der Technischen Universität Sydney fest, der die Studie federführend betreut hat. “Vor allem im 1,5-Grad-Szenario müssen die erneuerbaren Energien so schnell wie möglich und ohne weitere Verzögerungen ausgebaut und fossile Energieträger weitgehend ersetzt werden. Jedes Jahr ohne signifikante Emissionsreduktion auf globaler Ebene reduziert die Chance drastisch, die globale Erwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen”, so Teske weiter.

Quelle: DLR

VMK will synthetische, strombasierte Kraftstoffe auf EU- Flottenverbrauchswerte anrechnen lassen

IASA: Nachhaltige Luftfahrt - Sustainable Aviation

Althusmann: Niedersachsen wird von steigender Nachfrage innovativer Treibstoffe profitieren

19.10.2018 Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann begrüßt einen Beschluss der Verkehrsministerkonferenz (VMK), der fordert, dass es den Automobilherstellern künftig erlaubt sein soll, sich auch durch synthetische, strombasierte Kraftstoffe erzielte CO2- Einsparungen auf ihre Flottenverbrauchswerte anrechnen zu lassen. Althusmann: „Die Anrechnungsmöglichkeit synthetischer, aus erneuerbaren Energien hergestellter Kraftstoffe wie etwa Wasserstoff auf die CO2-Emissionen würde der Produktion und Weiterentwicklung innovativer Treibstoffe in einem Energieland wie Niedersachsen einen großen Schub verleihen. Eine steigende Nachfrage nach strombasierten Kraftstoffen ist gleichzeitig die Voraussetzung, um die zukunftsweisenden Power-to-X-Technologien auch in Niedersachsen in industriellem wie auch mittelständischem Rahmen aufzubauen.“ Bislang zielen die Flotten-Emissionsvorgaben der EU vor allem auf verstärkte Anstrengungen der Automobilhersteller bei der E-Mobilität ab: So gelten E-Fahrzeuge innerhalb der Berechnung grundsätzlich als emissionsfrei, auf wenn der eingesetzte Strom zum Teil fossil erzeugt wird. Minister Althusmann: „Der Absatz von Elektrofahrzeugen verläuft trotz verschiedener Prämienanreize bislang schleppend. Den Automobilherstellern in Deutschland drohen massive Strafzahlungen, wenn sie die Emissionsziele nicht einhalten. Der Einsatz synthetischer, strombasierter Kraftstoffe kann dazu beitragen, Treibhausgase zu reduzieren und die Automobilindustrie mit etwa 1 Million Arbeitsplätzen – davon rund 200.000 allein in Niedersachsen – vor erheblichen wirtschaftlichen Nachteilen zu bewahren.“ Der VMK-Beschluss wird der EU über die Bundesregierung übermittelt. Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung

Weltklimarat IPCC legt Sonderbericht über 1,5 Grad Celsius globale Erwärmung vor

IPCC

IPCC-Sonderbericht

Der neue IPCC-Sonderbericht, der heute in Incheon/Korea veröffentlicht wurde, zeigt, dass bereits bei 1,5 Grad Celsius globaler Erwärmung weltweit hohe Risiken durch die Klimafolgen bestehen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sehen in dem wissenschaftlichen Bericht einen weiteren Beleg für die Dringlichkeit der Bekämpfung des Klimawandels. Dem Bericht zufolge liegt die aktuelle globale Erwärmung bereits bei etwa 1 Grad Celsius. Die derzeitigen Anstrengungen im Klimaschutz reichten nicht aus, um die internationalen Klimaziele zu erreichen. Im Pariser Klimaabkommen hatte die Staatengemeinschaft 2015 beschlossen, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius, wenn möglich unter 1,5 Grad Celsius zu beschränken.
IPCC

Veröffentlichung des IPCC-Sonderberichts, Von links: Andreas Kübler (Pressesprecher BMU), Staatssekretär Jochen Flasbarth, Staatssekretär im BMBF Dr. Michael Meister und Prof. Dr. Daniela Jacob (Direktorin Climate Service Center Deutschland)

Keine Zeit mehr zu verlieren

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: “Wir dürfen beim Klimaschutz keine Zeit mehr verlieren. Das ist die Kernbotschaft des Berichts. Die nächsten Jahre sind entscheidend, damit unser Planet nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Dafür trägt gerade unsere Generation eine herausragende Verantwortung. Wir müssen den Abschied von Kohle, Öl und Gas hinbekommen. Jede vermiedene Tonne CO2, jedes vermiedene Zehntelgrad Erderwärmung zählt. Dieser Umbau bringt viele Veränderungen mit sich und die große Chance, unsere Wirtschaft zukunftsfähiger und unsere Gesellschaft lebenswerter zu machen.”

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek: “Der Bericht zeigt: Der Klimawandel stellt uns als Gesellschaft in Deutschland, aber auch weltweit vor große Herausforderungen. Wir brauchen starke Beiträge aus der Forschung und müssen das Potenzial der Wissenschaft noch stärker ausschöpfen, um ihn in den Griff zu bekommen. Gute Ideen aus der Forschung und ein entschlossenes Handeln von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft können die notwendigen Veränderungen voranbringen. Diese müssen den Klimawandel mindern, gleichzeitig sozialverträglich gelingen und Innovationsschübe für die Wirtschaft liefern.”

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass die Risiken für Natur und Mensch zwischen 1,5 Grad Celsius und 2 Grad Celsius globaler Erwärmung stärker ansteigen als bisher bekannt. Extremereignisse nehmen deutlich zu. Insbesondere wird es weltweit zu verstärkten Hitzewellen kommen, Starkregenereignisse werden vermehrt auftreten sowie in manchen Regionen extreme Dürren. Sensible Öko-systeme wie beispielsweise die tropischen Korallenriffe oder auch die der Arktis sind besonders bedroht.

Alle mit dem 1,5 Grad Celsius-Ziel kompatiblen Emissionspfade erfordern weltweit eine radikale Verringerung der Treibhausgas-Emissionen, um bis zur Mitte des Jahrhunderts CO2-Neutralität zu erreichen. Mit den derzeitigen Emissionsraten würden 1,5 Grad Celsius in den 2040-er Jahren bereits überschritten werden.

Quelle: BMU

Kohleausstieg nutzt viel mehr, als Transformation kostet

6. Oktober 2018, Gemeinsame Pressemitteilung von Ecologic Institut, DIW Berlin und Wuppertal Institut

Der Kohleausstieg ist klimapolitisch notwendig, energiewirtschaftlich sinnvoll sowie technisch und wirtschaftlich machbar. Die sukzessive Stilllegung der Kraftwerke nach festgelegter Reihenfolge ermöglicht höchstes Maß an Steuerbarkeit und schafft den notwendigen Vorlauf für regionale Strukturentwicklung. Wie der Kohleausstieg in seinen verschiedenen Facetten gelingen kann, haben Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), des Berliner Ecologic Instituts (Hrsg.) und des Wuppertal Instituts im neuen Kohlereaderzusammengefasst.

In den vergangenen Jahren wurden eine Fülle von Studien, Forschungsergebnissen und Lösungsstrategien zum Kohleausstieg vorgelegt. Dieses Wissen wird nun mithilfe des von Wissenschaftlern der drei Institute erstellten Kohlereaderszugänglich gemacht. Der Reader informiert wissenschaftlich-neutral über Fakten und Zusammenhänge und benennt das Für und Wider von Handlungsoptionen.

Kohlekraftwerke sind für knapp 40 Prozent des erzeugten Stromes und circa 80 Prozent der CO2-Emissionen des deutschen Stromsektors verantwortlich. Prof. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin: „Um die Ziele aus dem Klimaschutzplan der Bundesregierung aus 2016 einzuhalten, muss und kann eine deutliche Reduzierung der Kohleverstromung einen entscheidenden Beitrag leisten und es ist mittelfristig ein vollständiger Kohleausstieg erforderlich“. Der Klimaschutzplan sieht für die Energiewirtschaft bis zum Jahr 2030 eine Minderung der CO2-Emissionen von 60 bis 62 Prozent gegenüber 1990 vor.  Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts, ergänzt: „Wenn man die vorliegenden Forschungsergebnisse zusammen betrachtet, dann ist ein Ausstieg aus der Kohleverstromung aber nicht nur klimapolitisch notwendig, sondern auch energiewirtschaftlich sinnvoll, technisch und wirtschaftlich machbar“.

Der Kohlereader stellt die verfügbaren Möglichkeiten einer schrittweisen Reduzierung und Beendigung der Kohleverstromung und ihre Implikationen dar, informiert über Fakten und Zusammenhänge, benennt das Für und Wider einzelner Handlungsoptionen und zeigt den jeweiligen wissenschaftlichen Hintergrund auf. Er will die Arbeit der Kohlekommission unterstützen, die bis Ende 2018 einen Aktionsplan zum Kohleausstieg vorlegen soll. (ecologic.eu/15988)

Der Kohlereader fasst neben relevanten klimapolitischen Aspekten auch die energie- und gesamtwirtschaftlichen Folgen eines Kohleausstiegs zusammen. „Ein zentraler Befund ist, dass der Nutzen eines Kohleausstiegs bei weitem die Kosten übersteigt – auch, weil der Kohleausstieg neue wirtschaftliche Chancen eröffnet“, so Kemfert.

Anreize für Power-to-X

Durch einen Kohleausstieg in Deutschland würden notwendige Investitionen in den Bereichen Nachfragemanagement, Speicher, Power-to-X-Anwendungen und Effizienztechnologien angereizt. Weiterhin könne eine Reduzierung der Kohleverstromung an einigen Stellen zu einer deutlichen Entlastung der Netzsituation führen.

Aktuell sind noch rund 18.500 Personen direkt in den Braunkohlekraftwerken und -tagebauen beschäftigt; weitere 4.000 bis 8.000 Menschen sind in den Steinkohlekraftwerken tätig. Am schwierigsten sind die Ausgangsbedingungen für die eher strukturschwache und ländliche Lausitzer Braunkohleregion. Ein großer Teil des Beschäftigungsrückgangs im Kohlesektor ließe sich zwar durch einen regulären Renteneintritt auffangen. Aber auch, wenn der Ausstieg so gestaltet werden kann, dass er kaum negative Auswirkungen für die derzeitige Generation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat, muss insbesondere für folgende Generationen der Strukturwandel aktiv gestaltet werden. Investitionen in neue zukunftsfähige Arbeitsplätze, aber auch die Verbesserung weicher Standortfaktoren sind notwendig, um attraktive Lebensbedingungen zu schaffen und den Menschen aussichtsreiche Perspektiven in den ehemaligen Kohleregionen zu bieten.

Systemintegration als Herausforderung

Die Studien- und Forschungslage zeigt, dass die für einen Ausstieg aus der Kohleverstromung notwendigen Technologien heute vorhanden sind beziehungsweise deren Entwicklung so weit fortgeschritten ist, dass sie rechtzeitig zum Einsatz kommen können. Die Kosten für Wind- und Solarstrom liegen heute in etwa gleich auf oder sogar unter denen aus neuen fossilen Kraftwerken. Auch die Verfügbarkeit von Energiespeichern stellt keinen Engpass für den Kohleausstieg dar. „Simulationsrechnungen zeigen, dass bis zu einem Anteil von bis zu 80 Prozent erneuerbarer Energien im Strom-Mix Flexibilisierungsoptionen, wie etwa die Sektorenkopplung, die stromgeführte Kraft-Wärme-Kopplung, Wärmespeicher und das sogenannte Demand-Side-Management hinreichend sind, um den Anforderungen der Systemintegration gerecht zu werden und insgesamt auch kostengünstiger sind als saisonale Stromspeicher“(Fischedick).

Planungssicherheit durch allmähliche Stilllegung von Kohlekraftwerken nach festgelegter Reihenfolge

Deutsche Kohlekraftwerke sind bereits heute vom europäischen Emissionshandelssystem erfasst. Damit verteuert sich CO2-intensiver Strom. So sollen die Klimafolgekosten integriert und die Klimaschutzziele erreicht werden. Camilla Bausch, Wissenschaftliche Direktorin und CEO des Ecologic Instituts: „Doch trotz der in den letzten Monaten deutlich gestiegenen Zertifikatspreise ist die Anreizwirkung für eine gesicherte und kontinuierliche Reduktion vor allem der Braunkohleverstromung unzureichend“.

Der Reader stellt insofern fixe Stilllegungsdaten, die Festlegung jährlicher Produktionsobergrenzen und preisbasierte Instrumente als mögliche zusätzliche nationale Maßnahmen nebeneinander. Die Analyse zeigt, dass die Steuerbarkeit des Transformationsprozesses für alle Akteure am höchsten ist, wenn Kohlekraftwerke nach einer festgelegten Reihenfolge stillgelegt werden. Dagegen sind bei preisbasierten Instrumenten, wie dem CO2-Mindestpreis, aber auch bei Stilllegung mit großzügigen Übertragungsmöglichkeiten zwischen Kraftwerken, die konkreten Auswirkungen vor Ort schwerer abzuschätzen. Das würde die Möglichkeiten einschränken, dies mit entsprechend zeitlichem Vorlauf zielgerichtet vorzubereiten. „Bei der Auswahl des favorisierten Klimaschutzinstruments müssen Aspekte von Planungssicherheit und Flexibilität berücksichtigt und abgewogen werden“, so Bausch.

Quellen:


 

Neue Studie der Air Transport Action Group (ATAG) zur Rolle der zivilen Luftfahrt

IASA: Nachhaltige Luftfahrt - Sustainable Aviation

Luftverkehr unterstützt 65,5 Millionen Arbeitsplätze und wirtschaftliche Aktivitäten mit einem Volumen von 2,7 Billionen Dollar

GENF–(BUSINESS WIRE)–Der globale Luftverkehrssektor unterstützt 65,5 Millionen Arbeitsplätze und 2,7 Billionen Dollar an globaler Wirtschaftstätigkeit, so eine neue Studie, die heute von der Air Transport Action Group (ATAG) veröffentlicht wurde. Der Bericht Aviation: Benefits Beyond Borders, der auf www.aviationbenefits.org heruntergeladen werden kann, untersucht die grundlegende Rolle der zivilen Luftfahrt für die heutige Gesellschaft und befasst sich mit den wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen dieser globalen Industrie.

Bei der Vorstellung des Berichts auf dem ATAG Global Sustainable Aviation Summit in Genf sagte Michael Gill, Geschäftsführer der ATAG: „Lassen Sie uns innehalten und darüber nachdenken, wie die Fortschritte im Luftverkehr die Art und Weise verändert haben, wie Menschen und Unternehmen miteinander vernetzt sind – die Reichweite der Vernetzung, die wir heute haben, ist außergewöhnlich. Mehr Menschen in mehr Regionen der Welt als je zuvor nutzen die Möglichkeit des sicheren, schnellen und effizienten Reisens.“

„Über 10 Millionen Frauen und Männer arbeiten in der Branche und sorgen dafür, dass 120.000 Flüge und 12 Millionen Passagiere pro Tag sicher abfliegen und ankommen. Die Lieferkette, die indirekten Effekte und die Arbeitsplätze im Tourismus, die durch den Luftverkehr ermöglicht weden, zeigen, dass mindestens 65,5 Millionen Arbeitsplätze und 3,6 % der weltweiten Wirtschaftstätigkeit von unserer Industrie unterstützt werden.“

Der Bericht befasst sich auch mit zwei Zukunftsszenarien für das Wachstum des Luftverkehrs und die damit einhergehenden Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Vorteile. Mit einem offenen Freihandelsansatz wird das Wachstum des Luftverkehrs im Jahr 2036 rund 97,8 Millionen Arbeitsplätze und 5,7 Billionen Dollar an Wirtschaftstätigkeit unterstützen. Wenn die Regierungen jedoch eine stärker fragmentierte Welt mit Isolationismus und protektionistischer Politik schaffen, würden über 12 Millionen weniger Arbeitsplätze und 1,2 Billionen Dollar weniger wirtschaftliche Aktivität durch den Luftverkehr unterstützt.“

„Indem wir miteinander arbeiten, von den Kulturen der anderen lernen und den offenen Handel unterstützen, schaffen wir nicht nur eine stärkere wirtschaftliche Perspektive, sondern setzen auch unsere Bemühungen für die Schaffung der Bedingungen für ein friedliches Miteinander auf der ganzen Welt fort. Die Luftfahrt ist der Schlüssel zu dieser positiven Verbindung.“

Die wichtigsten Fakten aus Aviation: Benefits Beyond Borders auf einen Blick:

  • Der Luftverkehr unterstützt 65,5 Millionen Arbeitsplätze und weltweite Wirtschaftsaktivitäten mit einem Volumen von 2,7 Billionen Dollar.
  • Ueber 10 Millionen Menschen arbeiten im Luftverkehrssektor weltweit.
  • Der Luftverkehr transportiert 35% des Welthandels nach Wert (6,0 Billionen Dollar im Jahr 2017), aber weniger als 1 % des Volumens (62 Millionen Tonnen im Jahr 2017).
  • Die Flugpreise liegen heute rund 90 % unter den Kosten, die die gleiche Reise im Jahr 1950 gekostet hätte – dies hat den Zugang zu Flugreisen für grosse Teile der Bevölkerung ermöglicht.
  • Die Branche in Zahlen: 1.303 Fluggesellschaften fliegen 31.717 Flugzeuge auf 45.091 Strecken zwischen 3.759 Flughäfen gesichert von 170 Flugsicherungsorganisationen.
  • 57 % aller Touristen weltweit reisen mit dem Flugzeug.

Die Air Transport Action Group vertritt den gesamten Luftfahrtsektor: Fluggesellschaften, Flughäfen, Flugsicherungsorganisationen sowie die Hersteller von Flugzeugen und Triebwerken. Sie koordiniert gemeinsame Positionen der Industrie zur nachhaltigen Zukunft des Luftverkehrs.

Quelle: www.atag.org

Klimafreundliche Kraft- und Brennstoffe können fast eine halbe Million neue Arbeitsplätze schaffen Studie

IASA: Nachhaltige Luftfahrt - Sustainable Aviation

Studie: Globale Win-win-Situation durch neue Energieträger

02.10.2018

Ein wachsender Weltmarkt für erneuerbare Kraft- und Brennstoffe, die Mineralöl und Erdgas zunehmend ergänzen, wird sich für die deutsche Wirtschaft und potenzielle Partnerländer sehr positiv auswirken. Nach Effizienzsteigerungen und dem Ausbau der inländischen Ökostrom-Erzeugung sind Importe erneuerbarer Energie aus Ländern mit günstigeren Produktionsbedingungen ein Standbein für eine zukünftige bezahlbare Energieversorgung in Deutschland. Die heimische Wirtschaft übernähme in einem globalen Markt für alternative Kraft- und Brennstoffe dann die Rolle eines Technologie-, Maschinen- und Anlagenexporteurs. Dadurch würden sich hierzulande zusätzliche Wertschöpfungseffekte von jährlich im Schnitt bis zu 36,4 Milliarden Euro sowie bis zu 470.000 neue Arbeitsplätze bis 2050 ergeben. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie “Synthetische Energieträger – Perspektiven für die deutsche Wirtschaft und den internationalen Handel” von Frontier Economics und dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln.

Will Deutschland seine klimapolitischen Ziele für 2050 erreichen, müssen Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas zunehmend treibhausgasneutral werden. Möglich wäre das durch die Herstellung und den Import erneuerbarer Kraft- und Brennstoffe. “Eine autarke Energieversorgung Deutschlands ist auch nach der Energiewende unrealistisch – das ergibt sich schon allein aus der faktisch begrenzten Standortverfügbarkeit für Anlagen zur erneuerbaren Stromerzeugung”, erklärt Dr. Jens Perner, Associate Director bei Frontier Economics und einer der Autoren der Studie.

Deutschland führt bei Schlüsseltechnologien

Zur Herstellung zunehmend treibhausgasneutraler Brenn- und Kraftstoffe können verschiedene Pfade genutzt werden. Derzeit sind biomassebasierte Produkte auf dem Markt erhältlich, die bereits heute Treibhausgasminderungen aufweisen. Durch den Einsatz von erneuerbarem Wasserstoff können Raffinerieprodukte mit weniger Treibhausgasemissionen produziert, aber auch biomassebasierte Produkte hydriert werden. Der Bedarf an erneuerbaren Kraft- und Brennstoffen wird weltweit allerdings derart groß sein, dass zukünftig auch synthetische Brenn- und Kraftstoffe aus regenerativ erzeugtem Wasserstoff und CO2 als Kohlenstoffquelle, auch Power-to-X (PtX) genannt, benötigt werden.

Großer Bedarf an industriellen Anlagen

Allein die weltweite Nachfrage nach PtX kann gemäß des in der Studie untersuchten Referenz-Szenarios bis zum Jahr 2050 Größenordnungen von 20.000 Terrawattstunden oder mehr erreichen – das entspräche in etwa der Hälfte der heutigen weltweiten Nachfrage nach Rohöl. Diese Menge würde einen großen Bedarf an industriellen Anlagen auslösen. Dazu gehören etwa Elektrolyseure zur Wasserstofferzeugung und Anlagen zur Herstellung flüssiger Kraft- und Brennstoffe. “Die PtX-Produktion würde überwiegend in Ländern stattfinden, die im Hinblick auf Wind- und Solarstromproduktion bessere Bedingungen als Deutschland bieten. Dennoch wirkt sie sich auch auf die heimische Wirtschaft positiv aus, da diese bei wichtigen Schlüsseltechnologien bereits heute führend ist”, so Perner.

Für Deutschland ergeben sich so laut Studie zusätzliche Wertschöpfungseffekte in Höhe von jährlich insgesamt rund 36,4 Milliarden Euro bis 2050. Im selben Zeitraum würden hierzulande insgesamt bis zu 470.000 neue Arbeitsplätze insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau geschaffen. Ein wichtiger Beschäftigungseffekt, gerade im Hinblick darauf, dass im Zuge der Energiewende in Deutschland anderswo Arbeitsplätze wegfallen könnten.

“Durch den Aufbau neuer Industrien bieten sich aber auch für PtX-Erzeugerländer große Chancen. Gerade für entwicklungsbedürftige Regionen, aber auch für Schwellenländer, könnten sich dadurch neue Entwicklungsperspektiven ergeben”, so Perner. Zudem verschaffe der Export erneuerbarer Kraft- und Brennstoffe auch jenen Ländern eine zusätzliche Perspektive, die gegenwärtig vor allem fossiles Öl und Gas ausführen.

Zusätzliche Option für die Energiewende

Erneuerbare Kraft- und Brennstoffe sind ein wirksamer Lösungsbeitrag für den globalen Klimaschutz. Um deren ökonomische und ökologische Vorteile nutzen zu können, sind jedoch erhebliche Investitionen nötig. Diese Investitionen setzen langfristig verlässliche Rahmenbedingungen voraus. Die Studienautoren empfehlen daher eine rechtzeitige politische Weichenstellung. Aktuell ist zum Beispiel die Anrechnung erneuerbarer Kraftstoffe bei der CO2-Flottenregulierung für Pkw und Nutzfahrzeuge dringend geboten, wie auch Dr. Kurt-Christian Scheel, Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie (VDA), meint: “Um die Energiewende zu meistern, brauchen wir technologieoffene Lösungen. Daher ist es wichtig, neben der Elektromobilität und anderen alternativen Antrieben auch den Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe voranzutreiben. Die Politik sollte hierfür zügig für die passenden Voraussetzungen sorgen.”

Auftraggeber der Studie “Synthetische Energieträger – Perspektiven für die deutsche Wirtschaft und den internationalen Handel” sind: Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO), MEW Mittelständische Energiewirtschaft Deutschland sowie UNITI Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen. Die vollständige Studie sowie eine Kurzfassung sind auf den Websites der Verbände erhältlich: www.zukunftsheizen.de, www.mew-verband.de, www.uniti.de.

Quelle: Institut für Wärme und Oeltechnik e. V. (IWO)

BDL Klimaschutzreport 2018

IASA: Nachhaltige Luftfahrt - Sustainable Aviation

Neue Bestmarke: Kerosinverbrauch im Luftverkehr sinkt auf 3,58 Liter pro 100 Personenkilometer

 

Berlin, 1. Oktober 2018: Der Luftverkehr wird immer energieeffizienter. Laut Klimaschutzreport 2018 des Bundesverbands der  Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) haben die deutschen Fluggesellschaften den spezifischen Energieverbrauch erneut senken können – auf nur noch 3,58 Liter Flugkraftstoff pro Passagier und 100 km. Das geht aus dem aktuellen Klimaschutzreport des BDL hervor. Bei der neuen Bestmarke handelt es sich um den tatsächlichen Energieverbrauch der Flugzeugflotten der Mitgliedsunternehmen, der nicht auf Basis theoretischer Herstellerangaben, sondern auf Grundlage des real gemessenen Verbrauchs errechnet wurde. Damit hat sich die Energieeffizienz seit 1990 um insgesamt 43 Prozent verbessert.

„Die deutschen Flugzeugflotten sind heute so energieeffizient wie nie zuvor! Der neue Effizienzrekord zeigt, dass Klimaschutz im Luftverkehr am besten durch Investitionen in moderne, energieeffiziente Flugzeuge gelingt. Hier haben wir schon viel erreicht. Damit wir auf diesem Weg weitere Fortschritte machen können, müssen wir die Investitionskraft der Unternehmen erhalten. Einseitige nationale Sonderlasten wie die Luftverkehrsteuer oder auch die gelegentliche Forderung  nach einer Kerosinbesteuerung gehen in die falsche Richtung, weil sie den Fluggesellschaften die benötigte Investitionskraft entziehen – und damit auch dem Klimaschutz schaden“, betont BDL-Präsident Prof. Klaus-Dieter Scheurle.

Obwohl der Energiebedarf pro Passagier dank besserer Effizienz und Auslastung kontinuierlich sinkt, nehmen die CO2-Emissionen durch das internationale Verkehrswachstum weltweit weiter zu. Deswegen hat die UN-Luftfahrtorganisation ICAO für den internationalen Luftverkehr die Einführung des CO2-Kompensationssystems CORSIA beschlossen, das die wachstumsbedingten CO2-Emissionen auf dem Niveau von 2020 stabilisieren wird. Damit ist die Luftfahrt die erste Branche mit einem wirksamen internationalen Klimaschutzinstrument.

Die wichtigsten Ergebnisse des Klimaschutzreports 2018:

  • Passagierverkehr: Im Jahr 2017 verbrauchten die Flugzeuge der deutschen Fluggesellschaften durchschnittlich 3,58 Liter Kerosin pro 100 Personenkilometer. Im Vergleich zu 1990 sind das 43 Prozent weniger.
  • Luftfracht: Auf Passagiere umgerechnet (je 100 kg inklusive Gepäck) verbraucht die Fracht-Flotte der Lufthansa Cargo nur 1,80 Liter auf 100 Kilometer.
  • Fluggerät: Die deutschen Fluggesellschaften investieren in den nächsten Jahren in 242 verbrauchsärmere Flugzeuge zum Listenpreis von 39 Milliarden Euro. Technische Innovationen sorgen dafür, dass der Treibstoffbedarf mit jeder Flugzeuggeneration um bis zu 25 Prozent sinkt. Die Investitionen in neue Flugzeuge könnten jedoch höher ausfallen, wenn der Gesetzgeber wettbewerbsverzerrende Sonderbelastungen wie die Luftverkehrsteuer abbauen würde.
  • Flughäfen: Die deutschen Flughäfen konnten ihre spezifischen CO2-Emissionen zwischen 2010 und 2017 um mehr als 38 Prozent auf 1,91kg CO2 pro Verkehrseinheit senken.
  • Flugsicherung: Die Deutsche Flugsicherung (DFS) reduzierte die durchschnittliche Abweichung von der Ideallinie einer Flugstrecke in Deutschland in den vergangenen Jahren um 31 Prozent. 2017 fielen durch die Vermeidung von Umwegen rund 69.000 Tonnen weniger CO2 an.

Der vollständige BDL-Klimaschutzreport 2018 steht auf der BDL-Website unter www.bdl.aero zum Download zur Verfügung. Weitere Informationen zum Thema Klimaschutz im Luftverkehr finden Sie auf dem Klimaschutz-Portal unter www.klimaschutz-portal.aero.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL)

Methanbasierte Kraftstoffe für Verkehr und Energieversorgung

nachhaltige Luftfahrt

Leitprojekt MethQuest startet – Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert mit 19 Millionen Euro – 27 Partner aus Forschung, Industrie und Energiewirtschaft

Umweltfreundliche, bezahlbare und nicht zuletzt praktikable Lösungsansätze für eine erfolgreiche Energiewende sind Ziel des Leitprojekts „Methan aus erneuerbaren Quellen in mobilen und stationären Anwendungen“ (MethQuest), das heute, 14. September 2018, startet. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Projekt mit 19 Millionen Euro, die gemeinsame Leitprojektkoordination übernehmen Rolls-Royce Power Systems und die DVGW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). An zwei der Verbundvorhaben des Projekts sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des KIT beteiligt.  

Im Leitprojekt MethQuest sollen Technologien entwickelt und untersucht werden, über die sich methanbasierte Kraftstoffe aus erneuerbaren Quellen gewinnen, in mobilen und stationären Anwendungen nutzen und schnell in den Markt einführen lassen. Während Gas insbesondere in der Wärmeversorgung weit verbreitet ist, ist dessen Potenzial im Personen-, Güter- und Schiffsverkehr bisher kaum erschlossen.

„Für eine erfolgreiche Energiewende ist es unabdingbar, dass die Sektoren Energie und Verkehr gekoppelt und gesamtheitlich betrachtet werden. Dabei spielen methanbasierte Kraftstoffe, die anhand von Strom aus erneuerbaren Energiequellen („Power to Gas“) gewonnen werden, eine wichtige Rolle. Mit ihnen lassen sich Treibhausgasemissionen signifikant senken, was uns dabei unterstützt, die Klimaschutzziele zu erreichen. Die Weiterentwicklung der Technologien, durch die diese Kraftstoffe energieeffizient eingesetzt werden können, ist ein wesentlicher Bestandteil des Leitprojekts MethQuest“, sagte Norbert Brackmann, Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft zum Projektstart.

Wesentlich für MethQuest ist der sektorenübergreifende Untersuchungsansatz. „Durch die sechs Verbundprojekte erreichen wir einen Innovationsschub in zahlreichen Bereichen, angefangen bei der Entwicklung neuartiger Lösungen, um Gas aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, über neuartige Motorenkonzepte für Pkw, stationäre Anwendungen und Schiffsantriebe bis hin zur Gestaltung von Microgrids für Binnen- und Seehäfen“, so Dr. Frank Graf, Bereichsleiter Gastechnologie der DVGW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut des KIT. Er nahm den offiziellen Förderbescheid mit Andreas Schell, Vorstandsvorsitzender von Rolls-Royce Power Systems, stellvertretend für die 27 Partner aus Industrie und Forschung entgegen.

Das Vorhaben hat ein Gesamtvolumen von 32 Mio. Euro und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit insgesamt 19 Millionen Euro gefördert. In sechs Verbundprojekten, die von der Methangewinnung über neue Motorenkonzepte für Schiffe, Blockheizkraftwerke und Pkw bis hin zur Sektorenkopplung durch Microgrid-Lösungen für Binnen- und Seehäfen sowie der systemanalytischen Bewertung gehen, arbeiten die Partner zusammen.

An zwei Verbundvorhaben von „MethQuest“ ist das KIT beteiligt

Im Verbundvorhaben MethFuel, das sich mit neuartigen verfahrenstechnischen Konzepten zur Wasserstoff- und Kohlenstoffdioxid-Bereitstellung und zur katalytischen Methanisierung beschäftigt, sind der Lehrstuhl Chemische Technik des Instituts für Technische Chemie und Polymerchemie (ITCP) und der Bereich Chemische Energieträger – Brennstofftechnologie des Engler-Bunte-Instituts (EBI ceb) sowie das mit dem KIT assoziierte Europäische Institut für Energieforschung (EIfER) beteiligt. Das ITCP und EIfER werden in ihrem gemeinsam betriebenen Labor ENERMAT (ENErgetische MATerialien) untersuchen, wie die einzelnen Komponenten der Power-to-Gas-Anlagen, die mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen gespeist werden, mit einem stark schwankenden Stromangebot zurechtkommen. Dabei geht es vor allem um die Aufgabe, Festelektrolysezellen optimal für die hohen dynamischen Anforderungen von Power-to-Gas-Anwendungen einzusetzen. Komplementär dazu wird das EBI ceb die Dreiphasen-Methanisierung (3PM) untersuchen, die Stromschwankungen sehr schnell folgen kann. Dies ermöglicht die direkte Kopplung der Methanisierung an die Wasserstofferzeugung ohne Zwischenspeicherung und somit eine deutliche Reduzierung von Investitions- und Betriebskosten.

Im Verbundvorhaben MethCar, das sich mit der Entwicklung von neuartigen Pkw-Gasmotoren befasst, ist der Bereich für Verbrennungstechnik am Engler-Bunte-Institut (EBI vbt) beteiligt. Die besonderen Eigenschaften von komprimiertem Methan aus erneuerbaren Energien versprechen in einem spezifisch angepassten Pkw-Motor besonders hohe Effizienz, zudem weisen Methanmotoren gegenüber Diesel- und Benzinmotoren sehr geringe Partikelemissionen auf. Allerdings stehen aber auch sehr feine Partikelgrößen, die kleiner als 100 Nanometer Durchmesser haben, zunehmend im Fokus. Um die Bildung dieser Partikel bei bestimmten Betriebszuständen zu vermeiden, werden diese Abläufe von EBI vbt nachgestellt und beschrieben, um sie bei der anschließenden Auslegung des MethCar-Brennverfahrens und der Motorkalibrierung sicher vermeiden zu können.

Des Weiteren untersuchen die Verbundvorhaben MethPower neuartige Motorenkonzepte für stationäre Anwendungen, MethMare zwei Konzepte für schnelllaufende und dynamisch betreibbare Gasmotoren für die Schifffahrt, MethGrid erzeugungs-, netz- und verbrauchsseitige Lösungen zur Gestaltung von Microgrids für Binnen- und Seehäfen sowie Methsys eine verbundübergreifende systemanalytische Bewertung der Kosten, Klimawirkung und Umsetzbarkeit der neuen Technologien.

 

Die Partner im Leitprojekt MethQuest:

AREVA H2Gen GmbH, Continental Automotive GmbH, DBI – Gastechnologisches Institut gGmbH Freiberg, DVGW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Institut für Technische Chemie und Polymerchemie (ITCP) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT),  Engler-Bunte-Institut (EBI) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Karlsruher Institut für Technologie (KIT), European Institute for Energy Research (EIfER), Erdgas Südwest GmbH, Energy Systems Analysis Associates – ESA2 GmbH, FORD-Werke GmbH, Fraunhofer-Institut für Bauphysik, iGas energy GmbH, Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Infraserv GmbH & Co. Höchst KG, Institut für Luft- und Kältetechnik gemeinnützige Gesellschaft mbH, keep it green GmbH, Kelvion Machine Cooling Systems GmbH, L’Orange GmbH, MTU Friedrichshafen GmbH/Rolls-Royce Power Systems, Open Grid Europe GmbH, RWTH Aachen University, Schaeffler Technologies AG & Co. KG, Stadtwerke Karlsruhe GmbH, terranets bw GmbH, Technische Universität Berlin und Technische Universität München.

nachhaltige Luftfahrt

Methan aus erneuerbaren Quellen für vielfältige Anwendungen nutzbar zu machen – dieses Ziel verfolgt MethQuest. (Grafik: MethQuest)

Hintergrund: Power-to-Gas-Verfahren

In so genannten Power-to-Gas-Verfahren kann mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen umweltfreundlich Gas gewonnen werden, das sich leicht speichern und später bei Bedarf nutzen lässt. Methan aus Power-to-Gas-Prozessen hat dabei zahlreiche Vorteile gegenüber anderen Power-to-X-Prozessen, die Herstellungsprozesse sind einfacher und zeigen deutlich höhere Wirkungsgrade. Das hat einen positiven Einfluss auf die Produktionskosten. Zudem kann das fossile Erdgas problemlos durch komprimiertes oder verflüssigtes Methan aus erneuerbaren Energien sukzessive ersetzt werden. Die bestehenden Gasnetze und -anwendungen lassen sich so ohne kosten- und zeitaufwendige Anpassungen weiter nutzen.

Zum einen sind gasbasierte Technologien weit entwickelt und millionenfach im Einsatz, zum anderen ist mit den bestehenden Erdgasnetzen und -speichern eine flächendeckende und leistungsstarke Infrastruktur vorhanden, mit deren Hilfe sich Schwankungen bei der Bereitstellung von erneuerbaren Energien ausgleichen, große Energiemengen speichern und Lastspitzen im Energieverbrauch abfedern lassen. Fahrzeuge, die mit Gasen aus erneuerbaren Quellen angetrieben werden, können in Ergänzung zur Elektromobilität einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten.

 

DGVW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut des KIT

Die DVGW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut (EBI) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ist eine gemeinsame, unabhängige Einrichtung des DVGW – Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V., Bonn und des KIT. Sie wird von den EBI-Bereichen Chemische Energieträger – Brennstofftechnologie (EBI ceb), Verbrennungstechnik (EBI vbt) sowie Wasserchemie und Wassertechnologie (EBI wct) gemeinsam getragen und gliedert sich in die Bereiche Gastechnologie, Prüflaboratorium Gas und Wassertechnologie.

Weitere Informationen: www.methquest.de

Quelle: Karlsruher Institut für Technologie


 

Das Thema PtL “boomt”

Power to Liquid - Nachhaltige Luftfahrt

Bonn, 31. August 2018

Flüssige Treibstoffe alternativlos

Es ist nicht zu übersehen, dass es immer mehr PtL-Projekte gibt. Bei uns in Deutschland, in der Schweiz und nun auch Brasilien. Letzteres wird sogar vom Bundesumweltministerium unterstützt.

Warum ist das wohl so? Unserer Einschätzung nach verbreitet sich langsam das Wissen um die enormen Potenziale von EE-strombasierten Treibstoffen (Power-to-Liquid) bei der Erreichung der angestrebten Klimaschutzziele, insbesondere auch in der Luftfahrt. Auch unsere gemeinsame Arbeit im IASA-Projekt Power-to-Liquid-Impulskampagne trägt dazu seinen Teil bei.

In der neuen Prognos-Studie zur Perspektive flüssiger Energieträger in der Energiewende wird das im Detail wiederholt, wovon wir seit Jahren überzeugt sind:
Es gibt auf absehbare Zeit keine Alternative zu flüssigen Treibstoffen in der Luftfahrt. Die notwendige Energiedichte bringen nur bekannte Treibstoffe wie Kerosin oder AvGas. Die CO2-armen, bzw. potenziell sogar CO2-neutralen PtL-Treibstoffe sind die derzeit einzige Lösung, die Quantitäten produzieren zu können um die Klimaziele der Luftfahrt zu erreichen.
Zudem erkennt die Studie auch die Tatsache an, dass für PtL-Treibstoffe die Infrastruktur bereits vorhanden ist, die Lager- und Transportfragen bereits mit den fossilen Treibstoffen gelöst wurden und nebenbei PtL-Kerosin drop-in-fähig ist.

Die große Herausforderung ist also nicht mehr Technik oder Infrastruktur, sondern dass PtL-Treibstoff aus Erneuerbaren Energien nun endlich in Deutschland produziert und zeitnah geflogen wird!

Treibstoff für eine nachhaltige Liuftfahrt

Die neueste Ausgabe des PtL-Newsletters kann hier kostenlos bezogen werden: PtL-Newsletter

PtL-Produktionsanlage in Brasilien

Power-to-Liquid

24.08.2018

Umweltpolitische Gespräche in Brasilien

Staatssekretär Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit reiste für zwei Tage für Gespräche zu umweltpolitischen Themen nach Brasilien.

Am Freitag hielt er zunächst ein Grußwort auf der Fachveranstaltung zum Naturschutzgebietssystem der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, GIZ. Anschließend unterzeichnete er das Memorandum of Understanding zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe (Power-to-Liquid) mit der brasilianischen Nationalagentur für Erdöl, Erdgas und Biokraftstoffe. Dies ist ein Projekt der Internationalen Klimaschutzinitiative des BMU.

 

Power-to-Liquid

Das Bild zeigt Jochen Flasbarth bei der Unterzeichnung des Memorandums.

Im Anschluss an die Unterzeichnung des Memorandums fand die Besichtigung einer Power-to-Liquid-Anlage statt.

synthetische Kraftstoffe

Internationale Klimaschutzinitiative

Die Projekte der internationalen Klimaschutzinitiative orientieren sich am Bedarf der Partnerländer und unterstützen beim Klimaschutz, insbesondere bei der Minderung von Treibhausgasen, Steigerung der Anpassungsfähigkeit an die Folgen des Klimawandels sowie beim Erhalt und bei der Nutzung von schützenswerten Gebieten mit hoher Klimarelevanz.

Damit wird auch die Umsetzung des Copenhagen Accords unterstützt und die Konsensbildung für ein ambitioniertes Klimaschutzabkommen nach 2012 gefördert. Sie ist Teil des deutschen Beitrags zur so genannten Fast-Start-Finanzierung, also der Zusage der Industrieländer im Copenhagen Accord für die Finanzierung von Klimaschutzsofortmaßnahmen in Entwicklungsländern bis 2012.

Quelle: BMU

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