Bob Hoover

Zum Abschied von ‚Bob‘ Hoover

 

Für viele war er einer der größten Piloten aller Zeiten. Dabei hat man ihn nur allzu gerne auf die Rolle des tollkühnen Airshow-Piloten reduziert, ‚Bob‘ Hoover.

Geradezu legendär sind die Berichte über das, was er mit den unterschiedlichsten Flugzeugen im Flug ‚anstellte‘.

Was jedoch zumeist übersehen wurde: Als professionellem Testpilot ging es Robert Anderson Hoover weniger um spektakuläre Stunts, auch wenn er sicherlich Spaß daran hatte, die Aviation Community immer wieder aufs Neue zu verblüffen; es ging ihm vor allem darum zu zeigen, was Flugzeuge aerodynamisch zu leisten vermögen. Für ihn reichte es nicht, ein Flugzeug sicher und perfekt zu steuern; sein Credo war es, Flugzeuge ‚wirklich zu fliegen‘.

Ziel seiner Flugdemonstrationen, so beispielsweise auf der ILA 1978 in Hannover, war es, Vertrauen in die Sicherheit und Leistungsfähigkeit von Flugzeugen zu schaffen, sei es durch Bestleistungen und Rekorde, sei es durch Demonstration in fliegerischen Grenzbereichen, beispielsweise in Form von spektakuläre Rollen, Loops und Landungen mit einem oder zwei stillgelegten Triebwerken, etwa in einem Shrike Commander von Rockwell.

Wenn solche Flugmanöver mit einem zweimotorigen Reise- und Geschäftsflugzeug offensichtlich möglich sind, dann sollte es erst recht möglich sein, ein solches Flugzeug innerhalb seiner legalen Betriebsgrenzen sicher und zuverlässig zu fliegen.

Bob Hoovers Leben war kaum weniger spektakulär als seine Flugvorführungen.

In Nashville, Tennessee, seiner Geburtsstadt, verdiente er sich seine ersten Flugstunden als Aushilfe in einem Lebensmittelladen, bevor er zum Wehrdienst eingezogen und zum Einflieger für frisch montierte Flugzeuge ausgebildet wurde. Es folgte der Einsatz als Jagdflieger bei der 52nd Fighter Group in Sizilien. Nach dem Abschuss über Südfrankreich kam er 1944 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Nach mehrmonatiger Gefangenschaft gelang ihm der Ausbruch aus dem Gefangenenlager in Barth und die anschließende Flucht in einer gestohlenen Focke-Wulf Fw 190 in die Niederlande.

Nach dem Krieg kam er als Testpilot auf das Wright Field (heute Wright-Patterson Air Force Base), wo ihn sein Testpiloten-Kollege Chuck Yeager kennen und schätzen lernte.

Als Chuck Yeager zum Testpiloten für das Bell X-1-Programm berufen wurde, forderte er ‚Bob‘ als Chase- und Backup-Piloten an. Am 14. Oktober 1944 durchbrach Chuck Yeager mit der raketengetriebenen Bell X-1 als erster Mensch die Schallmauer im Horizontalflug, während ‚Bob‘ das Begleitflugzeug, eine Lockheed P-80, flog. ‚Bob‘ Hoover hätte dabei nur allzu gerne mit Chuck Yeager getauscht, zumal dieser mit zwei frisch gebrochenen Rippen an den Start ging.

Zum Abschied von 'Bob' Hoover

Bob Hoover beim EAA AirVenture 2016 in Oshkosh Foto: Rudi Pilz

Mit seinem Markenzeichen – einem breitkrempigen Strohhut – war ‚Bob‘ Hoover für Jahrzehnte nicht nur ein gefragter Test-, Vorführ- und Airshow-Pilot, sondern zugleich ein nimmermüde Promotor für die Luftfahrt. Auch nachdem er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fliegen durfte, nutzte er jede Gelegenheit, um für die Luftfahrt zu werben, zuletzt noch in diesem Sommer beim EAA AirVenture in Oshkosh. Trotz der Kriegserfahrungen verband ihn mit Deutschland eine ganz besondere Freundschaft.

‚Bob‘ Hoover starb am 25. Oktober im Alter von 94 Jahren in Los Angeles.

Rolf Dörpinghaus

 


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